Stressreaktionen im Körper

09.04.2020

In einer Stresssituation wird im Gehirn ein Programm aktiviert, das die Ausschüttung verschiedener Hormone bewirkt. Auf der körperlichen Ebene bleiben auch bei chronischem Stress die Hormone in Bewegung. Das bedeutet, wir haben ständig Stresshormone im Blut, die ständig Einfluss auf uns nehmen.  Das Immunsystem wird geschädigt und das Herz-Kreislaufsystem ständig überlastet.

Adrenalin/Noradrenalin: diese Hormone bewirken, dass unsere Sinne geschärft werden. Das Immunsystem wird hochgefahren, die Atmung und der Puls werden erhöht und die Durchblutung vermehrt. Alle Energiereserven (Eiweiß, Fett, Kohlehydrate) werden mobilisiert. Zucker, der effektivste Brennstoff, steht sofort zur Verfügung. Die Muskeln werden vorbereitet und für Kampf, Verteidigung oder Flucht aktiviert. Der Körper ist nun in maximaler Leistungsbereitschaft. Im Falle des wilden Tieres war dies auch die nötige, weil lebensrettende Maßnahme.

Endorphine vermindern die Schmerzempfindlichkeit. Dies war/ist nötig, falls man sich im Kampf oder auf der Flucht Verletzungen zuzog. Endorphine werden aber nur in Verbindung mit körperlicher Belastung ausgeschüttet, nicht bei rein emotionalem Stress. Sie docken ähnlich wie Drogen oder Zucker an bestimmten Stellen im Hirn an und lösen Glücksgefühle aus.

Etwas später, weil langsamer, wird Cortisol ausgeschüttet. Es reguliert den Organismus wieder soweit herunter, und gleicht aus, was Adrenalin und Noradrenalin angeregt haben. So wird das Immunsystem wieder heruntergefahren, der Appetit steigt, damit wieder neue Energie für kommende Belastungen zugeführt wird und die Fettspeicherung wird als Sicherheit aktiviert. So wird sichergestellt, dass auch zukünftige Stressmomente bewältigt werden können.

Was aber, wenn wir nicht körperlich auf den Stress reagieren? Was, wenn wir nicht kämpfen oder davonlaufen? Was, wenn die Belastung dauerhaft ist und nicht momentbezogen, wenn also der Stress chronisch ist? Wir neigen heute nicht dazu, davonzulaufen, wenn wir Stress in der Arbeit haben. Wir fangen auch nicht an zu kämpfen, wenn der Chef den Leistungsdruck erhöht. Wir müssen es aushalten. Müssen wir?

Auf der körperlichen Ebene bleiben auch bei chronischem Stress die Hormone in Bewegung. Das bedeutet, wir haben ständig Stresshormone im Blut, die ständig Einfluss auf uns nehmen.

Langfristig hat dies zur Folge, dass der Fettstoffwechsel gestört läuft, weil ständig Cortisol ausgeschüttet wird, das Herz-Kreislaufsystem überlastet wird, weil ständig Adrenalin/Noradrenalin ausgeschüttet wird, das Immunsystem geschädigt wird.

Wir leben auf "Standgas" leben und das im "Vollgas-Modus".

Ich denke, es spricht für sich, dass der Organismus bei lange anhaltendem Stress dauerhaft geschädigt wird.

Wichtig in Bezug auf Stress ist auch die Tatsache, dass Stress hirntechnisch die Suche nach einer Lösung ist und der Körper signalisiert uns, dass wir etwas ändern sollen. Die Suche nach Veränderung beginnt im Nucleus accumbens, dort sitzt unter anderem auch das Belohnungszentrum. Dieses wird zur Lösungsfindung gerne herangezogen. Im Laufe unseres Lebens sammeln wir viele Varianten, wie wir etwas verändern können, indem wir das Belohnungszentrum aktivieren.

Dinge, die das Belohnungszentrum anregen, bzw. die zur Lösung von Stressproblemen herangezogen werden:

- Alkohol                                              - Internet

- Nikotin                                              - Fernsehen

- Drogen                                              - Soziale Netzwerke

- Zucker                                               - Reisen (neue Orte)

- Salz                                                    - Shopping                                         -

- Bekanntschaften (neue Menschen)

Es wird Dopamin ausgeschüttet. Das lässt uns gut fühlen. Leider fällt der Dopaminspiegel rasch wieder ab und die Suche nach einer Lösung beginnt von vorne, nur diesmal etwas schneller. Nachdem das Problem bei chronischem Stress mit den oben erwähnten Lösungsansätzen nicht nachhaltig behoben werden kann, wird die Suche in diesen Kategorien langfristig erfolglos sein!