Was ist Stress eigentlich? 

16.04.2020

Immer wieder kommt es vor, dass wir uns in Situationen wiederfinden, die wir als anstrengend und herausfordernd empfinden. Über kürzere Zeiträume hinweg ist es immer wieder der Fall, dass wir an unsere Grenzen gehen können und müssen. Das ist zwar mühsam und energieraubend, aber nicht sofort schädlich. An manchen Herausforderungen wachsen wir ja auch buchstäblich über uns hinaus. Es gibt also Momente, die uns beflügeln, wie etwa im Sport oder Spiel, aber auch im Beruf, wo wir stressigen Augenblicken ausgesetzt sind, die uns nicht nur fordern, sondern auch fördern. Diese Situationen sind überschaubar und zeitlich begrenzt. Wir sind uns zwar der Anstrengung bewusst, aber meist Herr/Frau der Lage.

Und dann gibt es Belastungen, die irgendwann angefangen haben, aber irgendwie nicht mehr aufhören. Sie schnüren uns förmlich zusammen und belasten unser Sein. Sie rauben uns dauerhaft unsere Energie und Lebensfreude und schlagen sich auch in körperlichen Symptomen nieder.

Was ist der Unterschied zwischen der einen - förderlichen - und der anderen - belastenden Situation?

Das lateinische Wort "distingere" bedeutet einengen, zusammenschnüren. In diesem Fall aber engt Stress uns ein, wenn die körperlichen und/oder psychischen Anforderungen uns kurzfristig über das normale Maß fordern, sprich: es kommt zu einer körperlichen, bzw. seelischen Belastung zur Bewältigung einer Situation. Das ist per se noch nicht schlecht, sondern eine völlig normale Reaktion.

Von negativem Stress sprechen wir dann, wenn der Druck zu groß wird und ein Ungleichgewicht entsteht zwischen den Anforderungen und den Möglichkeiten, diese Anforderungen zu bewältigen.

Stressfaktoren

Stress gab es zu allen Zeiten seit Menschengedenken. In der Urzeit verursachte vielleicht ein wildes Tier Stress, das uns lebensgefährlich bedrohte. Kommt es zu einer Stressreaktion im Körper, werden Hormone ausgeschüttet, welche uns die Ergreifung einer passenden Maßnahme ermöglichen. Seit der Urzeit sind die üblichen Reaktionen grundsätzlich dieselben, sie sehen heute nur anders aus. Diese sind:

  1. Angriff
  2. Verteidigung
  3. Flucht
  4. Wenn nichts mehr geht - totstellen

Heute stressen uns keine wilden Tiere mehr, zumindest nicht in unseren Breiten. Wer oder was stresst uns heute? Es sind viele Faktoren, z.B.

Leistungsdruck in der Arbeit

Zeitnot

Frust

Ständige Verfügbarkeit

Ängste

Hunger

Äußere Reize (Lärm, Hitze, Kälte, ...)

Wechselnder Tag-Nacht-Rhythmus (bei Schichtarbeit)

Es gibt eine Vielzahl an Stressfaktoren. Grundsätzlich unterscheidet man sie aber in INNERE und ÄUSSERE Stressreize.

Die inneren Stressoren entstehen aus innerpsychischen Spannungen, z. B. bei einer zu hohen Erwartungshaltung an mich selbst, oder durch negative Glaubenssätze wie "Ich bin nicht gut genug, nicht wertvoll genug, ..." und gehen immer von der betroffenen Person selbst aus. Hier bestimmen also die Gedanken den Stress.

Die äußeren Stressoren entstehen aus der Umwelt, z.B. bei zu hoher Fremderwartung an mich.

Darüber hinaus unterscheidet man zwischen physischen (Lärm, Hitze, Kälte, Schmerzen..) und psychischen Stressoren. Dazu zählen emotionale Belastungen wie Beleidigungen, Kränkungen, Demütigungen, Überforderungen,... und soziale Faktoren wie fehlende Anerkennung, Diskriminierung, Mobbing,...

Ob ein Stressor als unangenehm und belastend wahrgenommen wird, hängt von der gedanklichen Bewertung des Stresses ab. Jedem Menschen stehen kurzfristig Mechanismen zur Verfügung, um mit Stress fertig zu werden. Nur wenn diese Bewältigungsmechanismen langfristig überfordert werden, kann es zu schädlichen Reaktionen kommen.